Austropop - Ambros und Falco bis Christl Stürmer

Österreichische Musik bietet mehr als "Live is Life" - ein Rückblick

02.01.2010 Rainer Innreiter

Während der Austropop in den 1980er Jahren mit Falco, EAV oder Opus internationale Erfolge feierte, führt er heute ein Nischendasein. Ein Lichtblick ist Christina Stürmer

Bekanntlich war früher alles besser. Wenn diese Binsenweisheit auch nicht immer zutrifft: Im Falle des Austropop besitzt sie durchaus ihre Berechtigung. Die Zeiten, als zahlreiche österreichische Interpreten nicht nur im Inland, sondern auch in Deutschland oder gar weltweit Charterfolge feierten und Hallen füllten, sind vorbei. Mit Ausnahme von Christina „Christl“ Stürmer spielt sich die Musikszene der Alpenrepublik eher im Verborgenen ab und wird international kaum noch wahrgenommen.

Erste Erfolge für Wolfgang Ambros und Georg Danzer

Wann genau der Startschuss zum Austropop erfolgte, lässt sich so genau nicht festlegen. Oftmals wird aber die sozialkritische Ballade „Da Hofa“ (aus 1971) von Wolfgang Ambros als Geburtsstunde genannt. Die unverblümte, im Wiener Dialekt gesungene Abrechnung mit Vorurteilen traf den Nerv einer ganzen Generation, die sich immer noch gegen verknöcherte Strukturen zu erwehren hatte.

Gemeinsam mit Ambros wuchs eine ganze Reihe junger Künstler heran, deren Lieder nicht nur im Radio gespielt wurden, sondern deren Platten sich auch glänzend verkauften und die von Kritikern ernst genommen wurden. Bezeichnend für den Austropop waren immer wieder Grenzüberschreitungen des „guten Geschmacks“, wie beispielsweise Georg Danzers legendäres „Jö schau“ (1975), das für heftige Diskussionen sorgte. In gewohnt bissiger Manier beschrieb Danzer den skandalösen Auftritt eines nackten Mannes im berühmten Wiener Café Hawelka. Nachdem dieser jedoch seinen Prominentenstatus als „bekanntester Flitzer Wiens“ belegt, darf er im Café Platz nehmen.

Der Watzmann ruft – und das erste Rustical ist geboren!

Wolfgang Ambros verbuchte aber nicht nur mit seiner Solo-Karriere enorme Erfolge, sondern war auch einer der Produzenten des inzwischen als Kult geltenden Rusticals (ein Kunstwort aus „Musical“ und „rustikal“) „Der Watzmann ruft“. Gemeinsam mit Joesi Prokopetz und Manfred Tauchen – die später mit dem Projekt DÖF im Sauseschritt die Hitparaden eroberten – entwickelte er das satirische Konzeptalbum. Wie in einem kitschigen Heimatfilm lockt der Ruhm des Gipfelsturms die jungen Männer eines alpinen Dorfes. Diese bezahlen mit ihrem Leben für den Traum von Ruhm.

„Der Watzmann ruft“ wurde nicht nur auf Schallplatte veröffentlicht, sondern auch live mit großem Erfolg aufgeführt und sogar als Hörspiel ausgestrahlt. Zu Recht gilt die liebevolle Parodie als einer der Höhepunkte des Austropop, wiewohl die Musik klarerweise deutliche Anklänge an die Volksmusik in sich birgt.

Austropop in den internationalen Hitparaden

Eine der bekanntesten und erfolgreichsten österreichischen Produktionen stellt der Song „Lovemachine“ der Wiener Band Supermax dar. Als erste westliche Popgruppe durften Supermax sogar in den meisten Staaten des damaligen Ostblocks auftreten.

Eine der wenigen Bands, die aus einem Auftritt beim Eurovision Song Contest Profit schlugen, waren Waterloo & Robinson. Das Duo belegte mit „My little world“ Platz 5 und etablierte sich in Deutschland zu einer der populärsten Musikgruppen. Ihr größter Hit lautete aber „Hollywood“, der unter anderem in Brasilien die Spitze der Charts erklomm.

Anfang der 1980er Jahre etablierte sich der junge Reinhard Fendrich in der deutschsprachigen Musikszene. Bemerkenswerterweise blieb er oftmals dem Dialekt treu, konnte damit aber dennoch auch in Deutschland punkten. Mit „Macho, Macho“ gelang ihm sogar ein Nummer-Eins-Hit. Sein „I Am From Austria“, eine wehmütige Liebeserklärung an sein Heimatland, gilt als heimliche Nationalhymne Österreichs.

Neue Deutsche Welle: Österreicher surften mit

Als wahre Goldgrube erwies sich für viele österreichische Künstler die Neue Deutsche Welle. Zwar wurde der heimische Dialekt zugunsten des im gesamten deutschen Sprachraum verständlichen Hochdeutsch ausgetauscht. Doch die jahrelange Dominanz englischsprachiger Titel konnte für einige Jahre gebrochen werden. Die Erste Allgemeine Verunsicherung, DÖF (Deutsch-Österreichisches Feingefühl, vermutlich eine Anspielung auf die umstrittene Band DAF), Peter Cornelius („Du entschuldige I kenn’ di“) oder Minisex platzierten sich in den deutschen Hitparaden.

International machten Opus mit ihrem Riesenhit „Live is Life“ und vor allem der mit nur knapp 43 Jahren verstorbene Falco („Rock Me Amadeus“, Der Kommissar“, „Jeanny“) Furore. Dazu gesellten sich musikalische Eintagsfliegen wie die Gruppe Edelweiß, die mit ihrem „Bring Me Edelweiß“ einen der Hits des Jahres 1988 ablieferten.

Abstieg des Austropop in den 1990er Jahren

Techno, Eurodance und Rap drängten den Austropop in den 1990er Jahren langsam, aber allmählich zurück. Selbst einstige Größen wie Wolfgang Ambros oder Reinhard Fendrich mussten kleinere Brötchen backen. Bedeutend war die Etablierung der so genannten „Neuen Volksmusik“ durch Hubert von Goisern oder den Ausseer Hardbradlern.

International konnten österreichische Künstler jedoch nicht mehr reüssieren. Selbst dem einstigen Superstar Falco war es nicht beschieden, an alte Erfolge anzuknüpfen. Mit seinem Unfalltod 1997 endete das wohl erfolgreichste Kapitel moderner österreichischer Musik

Christina Stürmer allein auf weiter Flur

Vom Dahinscheiden des Falken erholte sich die heimische Musik nicht mehr. Versäumnisse in der Förderung junger Talente und Konzentration der Radiosender auf internationale Superstars trockneten die einst fruchtbare heimische Szene aus.

Als größter heimischer Star gilt Christina Stürmer, die bezeichnenderweise durch eine Castingshow („Starmania“) Berühmtheit erlangte.

Zumindest derzeit herrscht gemäß einem der größten Hits von Wolfgang Ambros auf dem Wiener Zentralfriedhof wohl mehr Stimmung als in der österreichischen Musikszene …

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